Herr Turkowski, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Das ist so vielschichtig: Das künstlerische Tun, die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und Bücher zu machen. Ich liebe es, meinen Tag frei zu gestalten und meinem eigenen Rhythmus zu folgen. Ich liebe das Kreative und die künstlerische Ausdrucksweise. Langweilig wird es mir nie. Ich kann mich immer wieder selbst überraschen. Und ich habe die Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen. Damit kann ich von Zeit zu Zeit der Welt etwas Schönes hinzufügen.

Welche Parallelen gibt es zu dem, was wir tun, der Persönlichkeitsentwicklung?

Aus meiner Sicht gibt es Parallelen auf zwei Ebenen: meiner Persönlichkeitsentwicklung und der Entwicklung meiner Figuren. Beides ist natürlich miteinander verbunden.

Kunst und Kreativität bieten mir unendlich viele Möglichkeiten, mich auszudrücken. Im Studium war es mein Ziel, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Das hat viel mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Kunst kehrt Innerstes nach außen. Sie transportiert Emotionen. Diese muss ich in mir finden und zulassen. Um weiterzukommen, ist meine Arbeit mit enormer Selbstreflexion, ja sogar Selbstkritik verbunden – auch das ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung.

Wenn ich beispielsweise für ein Buch Figuren entwickle, ist das ein langer und vielschichtiger – oft auch unbewusster – Prozess, in den immer wieder neue Impulse und Ideen einfließen. Irgendwann bekommt die Geschichte eine gewisse Eigendynamik; die Figuren bekommen ihren eigenen Charakter. Zusammengefasst lässt sich sagen: Bei Kunst geht es um Authentizität. Wenn man etwas Aufgesetztes macht, wird es der Betrachter spüren. Deshalb kaufen Kunden auch oft nicht nur das Bild, sondern damit auch einen Teil meiner Persönlichkeit.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Eigentlich immer und überall. Ich zeichne vormittags und abends. Dazwischen brauche ich Pausen, um mich wieder konzentrieren zu können. Natürlich habe ich auch Tage, an denen es mir schwerer fällt, in meine Kreativität zu finden. Gerade an solchen Tagen ist es wichtig, einfach anzufangen, den ersten Strich zu setzen. Die Ideen kommen dann schon.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Wenn ich sehe, wie lange es Kunst schon gibt, denke ich, dass analoge Medien auch 2050 noch weiter Bestand haben. Ich wünsche mir, dass es auch Bücher weiterhin in gedruckter Form geben wird.

Gleichzeitig sehe ich, dass immer mehr digitale Illustrationen Einzug halten. Auch diese Techniken werden immer besser, so dass man kaum noch Unterschiede zur analogen Kunst erkennt. Einziger Unterschied ist das Material, die Haptik.

In der Kunst ist alles erlaubt. Daher sehe ich das Digitale als eine weitere Technik. Doch ich glaube, dass auch im Jahr 2050 die Kunden noch den unmittelbaren Kontakt des Künstlers zur „Leinwand“ spüren möchten. Wir dürfen gespannt bleiben.

Einar Turkowski lebt und arbeitet als Autor und Illustrator in Schleswig-Holstein bei Kiel. Er war Dozent für das Fach Buchillustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, hält Lesungen und Workshops. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und bekamen zahlreiche Auszeichnungen.