Von Sabine Walter

Am 11. Februar dieses Jahres, dem International Day of Women and Girls in Science, veröffentlichte Helen Mets, President Resins & Functional Materials at Royal DSM, über LinkedIn einen Artikel mit der Überschrift „We’re not „women in science“ – we’re scientists“. Die Fragen, die Helen Mets in ihrem Artikel unter anderem stellt, sind: „Warum spielt es im Jahr 2019 immer noch eine Rolle, welches Geschlecht Wissenschaftler haben? Warum gibt es immer noch einen International Day of Women and Girls in Science?“

Die Antwort, die sie gibt, ist genau so selbstverständlich wie ernüchternd: Because there is still the glass ceiling of science. Diese gläserne Decke zeigt sich in konkreten Zahlen: Während zu Studienbeginn das Geschlechterverhältnis noch nahezu ausgewogen ist, sind nur noch 45 Prozent der Promovierenden Frauen. Ab Habilitation sind es nur noch etwa ein Viertel.

Die gläserne Decke in der Industrie ist nicht ganz so dick wie in der Wissenschaft. Es gibt mittlerweile auch einige Frauen, die diese erfolgreich durchstoßen haben. Dennoch ist sie in vielen Branchen noch vorhanden. Warum ist das so? Und warum ist das vor allem in Deutschland so? Dafür gibt es aus meiner Sicht vier wesentliche Gründe:

  • Eltern- und teilzeitbedingter Einkommensverlust fungiert oft als Karrierebremse.
    Es hat sich mittlerweile im Bereich der Kindererziehung und -betreuung sehr viel getan: Auch Väter nehmen Elternzeit, auch Väter kümmern sich um die Betreuung ihrer Kinder. Arbeitszeiten flexibilisieren sich, mobiles Arbeiten ermöglicht es uns, auch viele Dinge von daheim und nicht nur vom Büro aus zu erledigen. Doch Fakt ist nun mal: Es sind weiterhin die Frauen, die die Kinder bekommen. Es sind die Frauen, die vor der Geburt und auch danach in der Regel erst einmal zuhause bleiben.

    Doch dies bleibt nicht ohne Folgen. In der Aprilausgabe der brandeins steht es schwarz auf weiß: In Deutschland büßt eine Frau nach der Geburt ihres ersten Kindes langfristig 63% ihres Einkommens ein. 63%! In Dänemark sind es nur 21%.Die Einkommensschere, die im Vergleich zu den männlichen Kollegen oft bereits nach der Rückkehr aus der Elternzeit beginnt und sich durch Arbeit in Teilzeit und schlechteres Verhandlungsgeschick im Laufe der Jahre verstärkt, führt oft auch dazu, dass die Frau ihre eigene Karriere zugunsten der Karriere des besser verdienenden Partners zurückstellt.
  • In Deutschland fehlt es noch an gesellschaftlichem Verständnis und Handeln für wirkliche Gleichberechtigung.
    Deutschland, vor allem Westdeutschland, spürt immer noch die Folgen der eingeschränkten Selbstbestimmung der Frau. Bis 1977 (!) war im Bürgerlichen Gesetzbuch der BRD definiert, dass der Ehemann seiner Frau erlauben musste, zu arbeiten. Das ist gerade einmal 40 Jahre her. Dieses Rollenverständnis ist immer noch in der Gesellschaft verankert und es fällt auch verdammt schwer, aus diesem auszubrechen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und nicht dauernd an der Belastungsgrenze zu sein.

    Stimmige Konzepte für Ganztagesschulen sind in vielen Teilen Deutschlands noch eine Seltenheit. Eine meetingfreie Zeit zwischen 15.30 – 20.30 Uhr, wie es die skandinavischen Länder vormachen, gibt es bei uns nicht. Karriere in Teilzeit ein wenig akzeptiertes und damit verbreitetes Modell.

    Somit ist es in Deutschland immer noch schwer, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. 
  • Frauen geht es mehr um die Sache und nicht so sehr um sich.
    Bescheidenheit gilt bei Frauen immer noch als Zier. Auch evolutionsbiologisch gesehen, fühlen sich Frauen in der zweiten Reihe oft wohler. Frauen passen sich eher an und versuchen auszugleichen statt einzufordern.

    Viele Frauen verfolgen den Ansatz eines überhöhten Arbeitseinsatzes. Sie investieren lieber noch einmal zwei Stunden mehr in die Sache als über sich, die Talente und Erfolge zu sprechen.
  • Konkurrenz statt Kooperation 
    Während Männer das „best body business“ gut beherrschen, treten Frauen sehr oft miteinander in Konkurrenz statt sich beruflich zu unterstützen.
    Das hat fatale Folgen für die Karrieren von Frauen. Wir müssen härter arbeiten, uns mehr beweisen und…. bekommen den Job dann doch nicht. Warum? Weil gute Beziehungen eine sehr große Rolle bei der beruflichen Entwicklung spielen. Männer empfehlen einander, Männer fördern einander – so lange der andere einem nicht zu gefährlich wird.

    Frauen beherrschen das Netzwerken sehr gut. Sie nutzen es leider nur im Privaten oder aber nur mit Leuten, die sie gut leiden können. Doch das sind nicht immer die Personen, die die Entwicklungszielen entsprechend unterstützen können.

Wie kann ein persönliches Coaching dabei unterstützen, die gläserne Decke zu durchbrechen? Erfolg macht sexy! Das gilt für Männer und für Frauen gleichermaßen. Doch während Männer sich den Erfolg zugestehen, zweifeln viele Frauen noch daran, ob sie es verdient haben. Darin liegt ein wesentlicher Schlüssel. Wir arbeiten im Coaching vor allem an dieser Haltung. Was bin ich wert? Was kann ich? Worin bin ich richtig gut?

Ferner arbeiten wir an Ihren konkreten Zielen, Wünschen und Fragestellungen, die Sie mit ins Coaching bringen. Solche Fragen können sein:

  1. Wo will ich beruflich und privat hin?
  2. In welchem Umfeld kann ich meine Stärken und Talente am besten einbringen?
  3. Wann ist ein guter Zeitpunkt für ein Kind?
  4. Wie bereite ich diesen Ausstieg vor? Wie steige ich danach wieder ein?
  5. Wie vermarkte ich mich selbst besser und bin dabei trotzdem authentisch?
  6. Wie kann ich gezielt netzwerken, ohne zu viel Zeit investieren zu müssen?

Bei all unserer Arbeit geht es nicht darum, Frauen dabei zu helfen, Männer zu kopieren oder an Härte noch zu überbieten. Im Gegenteil, Ziel unserer Arbeit ist, Frauen den Wert ihrer weiblichen Qualitäten vor Augen zu führen und sie dabei zu unterstützen, dass sie voller Selbstvertrauen ihren ganz persönlichen Weg gehen. Wenn sie es wollen, sollen sie mit Leichtigkeit die gläserne Decke durchstoßen und all denen Vorbild und Mentorin sein, die nachfolgen wollen.

Ihr seid es wert!