Von Sabine Walter

Die Zahlen des aktuellsten Gallup-Engagement-Index sind so ernüchternd wie immer: Etwa 85% aller Mitarbeiter haben keine oder nur eine geringe emotionale Bindung an ihr Unternehmen. Das schlägt sich unter anderem in „Dienst nach Vorschrift“ oder sogar innerlicher Kündigung nieder. Eine Ursache für diese fehlende emotionale Bindung sind Führungskräfte, die ihrer Rolle nicht gerecht werden.

Was macht wirksame Führungskräfte aus? In der Managementliteratur werden verschiedene Kriterien definiert, die erfolgreiche Führungskräfte ausmachen. Kompetenzen, die immer wieder genannt werden, sind: Vorbildwirkung, strategisches und visionäres Denken, Kommunikationsfähigkeit, Soziale Kompetenz, Durchsetzungsfähigkeit, Ziel- und Ergebnisorientierung.

In unserer täglichen Arbeit erleben wir es immer wieder, dass Theorie und Praxis oft sehr weit auseinander klaffen. Was heißt das? Viele Unternehmen, besonders die schnell wachsenden, besetzen vakante Führungsstellen oft mit Menschen, die Experten in ihrem Fachbereich sind oder besonders gute Zahlen abliefern. Die Fähigkeit, Menschen zu führen, wird im Alltag vieler Unternehmen mit der Fähigkeit viel Umsatz zu generieren oder bestimmte Aufgaben besonders gut zu erledigen, gleichgesetzt.

Das führt dazu, dass wir immer wieder Führungskräften erleben, die kein wirkliches Interesse an Menschen haben und die sich nicht wohl damit fühlen, Verantwortung zu tragen. Sie führen deshalb über Angst und Druck. Die Folgen einer solchen Führungskultur sind nicht nur „Dienst nach Vorschrift“ und innere Kündigung der Mitarbeiter. Die Folgen sind auch, hohe Krankheitskosten, schlechte Qualität, schwindende Produktivität, keine Kreativität, fehlende Innovation. Die Folgen sind tatsächliche Kündigung, Know-how-Verlust und hohe Kosten, um Stellen neu zu besetzen und neue Mitarbeiter einzuarbeiten.

Deshalb brauchen wir eine neue Haltung. Eine Haltung, die sich durch die Sorgfalt bei der Auswahl und Weiterentwicklung von Führungspersönlichkeiten auszeichnet. Eine Haltung, die die Entwicklung der Führungskultur zur Chefsache macht. Eine Haltung, die einen respektvollen und wertschätzenden Umgang mit Menschen in den Mittelpunkt stellt und die ab der obersten Führungsebene gelebt wird.

Wirkliche Führungspersönlichkeiten haben die Fähigkeit, echte Teams zu formen und ein Wir-Gefühl zu kreieren. Sie stellen den Erfolg des Teams in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns und haben einen Blick für die Stärken und Talente ihrer Mitarbeiter. Echte Führungspersönlichkeiten leben eine offene und ehrliche Kommunikation, geben Raum, um zu experimentieren und gehen konstruktiv mit Fehlern um. Wirksame Führungspersönlichkeiten haben es sich zur Kernaufgabe gemacht, Mitarbeiter zu entwickeln und Vertrauen als Grundlage ihres Handelns zu sehen – Vertrauen in die eigene Person und Vertrauen in andere.

Unternehmen, die diese Haltung haben und mit Sorgfalt ihre Führungspersönlichkeiten auswählen und entwickeln, brauchen kein teures Employer Branding. Diesen Unternehmen werden junge und erfahrene Talente die Türen einrennen. Diese Unternehmen werden zu den Organisationen zählen, mit denen Mitarbeiter sich identifizieren und ihre volle Leistung bringen.