Frau Dr. Hafner, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

In erster Linie sind es die neuen Herausforderungen. Meine Hauptaufgabe an der LMU München ist es, Forschungsverbünde an den Schnittstellen zwischen Biologie, Chemie und Physik zu koordinieren. Das erfordert, immer wieder neue Strukturen aufzubauen, Geld möglichst reibungslos dorthin zu leiten, wo es gebraucht wird, neue Projekte ans Laufen zu bringen und die Wissenschaftler darin zu unterstützen, auch über Disziplingrenzen hinaus optimal zu kooperieren, um ihre Forschungsziele zu erreichen.

Vor allem die Beschaffung und Verteilung der finanziellen Mittel ist oft mit vielen Regeln und mit Bürokratie verbunden. Da sehe ich es als meine Aufgabe an, bestehende Regeln so flexibel wie möglich zu verstehen und durch Hartnäckigkeit letztendlich für alle Seiten zufriedenstellende Lösungen zu finden. Damit trage ich auch dazu bei, dass den Wissenschaftlern bei aller Bürokratie die Lust am Forschen erhalten bleibt.

Wenn ein Forschungsverbund neu startet, übernehme ich es auch, die Kommunikation nach außen zu gestalten. Mein Ziel ist es, das Projekt auf den uns zur Verfügung stehenden Medien gut zu vermarkten. Dazu zählt auch das Organisieren von Veranstaltungen und das Pflegen der Homepage. Ich achte darauf, dass alle Kommunikationskanäle, die wir bedienen, interessant sind und die Projektentwicklung bzw. die Projekterfolge gut darstellt. Das zahlt sich sowohl im Gewinnen von Geldgebern als auch von neuen Wissenschaftlern aus.

Von meinem Hintergrund bin ich Biologin. Aber zum Forschen fehlt mir die Liebe zum Detail und der Perfektionismus. Ich bin eher die, die in der Breite sucht, immer wieder etwas Neues braucht, Impulse gibt, Entscheidungen trifft und Ideen umsetzt. Da mich die Naturwissenschaften nach wie vor faszinieren, ist diese Koordinationsaufgabe im Umfeld der Forschung für mich ideal. Ich verstehe mich als Begleiterin auf dem Weg zum Ziel.

Eine Sache, die ich außerordentlich schätze, ist die Arbeit mit Menschen, die ausschließlich intrinsisch motiviert sind. An der Uni gibt es viele Menschen, die aus sich selbst heraus motiviert sind oder bei denen der Wunsch, das Forschungsziel zu erreichen, ausschließlicher Treiber ihres Handelns ist. Das ist ein tolles, kreatives Arbeitsumfeld.

Welche Parallelen gibt es zu dem, was wir tun, der Persönlichkeitsentwicklung?

Einige. Ich stoße an, gebe Impulse und bringe Prozesse ans Laufen. Das passiert auch im Coaching oder in Workshops. Und dann organisiere ich für die Wissenschaftler, die ich betreue, Seminare, Workshops, Coachings und Konferenzen. Das heißt, ich schaffe Raum zur Persönlichkeitsentwicklung, indem ich ein Weiterbildungsangebot zur Verfügung stelle, das über die reine Forschung hinaus geht.

Uns ist es wichtig, dass unsere Wissenschaftler beispielsweise auch lernen, gut zu argumentieren, überzeugend zu präsentieren oder souverän Konflikte zu managen. 

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Immer wenn ich in Bewegung bin – sei es beim Spazieren gehen, beim Joggen oder Schwimmen.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

Über diese Frage habe ich mir im Vorfeld zu unserem Gespräch schon viele Gedanken gemacht. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es diese Schnittstellenfunktion, wie ich sie habe, immer geben wird. Diese Aufgaben können keine Maschinen übernehmen. Dafür braucht es empathische Menschen, die zwischen Wissenschaft und Verwaltung bzw. Gesellschaft vermitteln können. Es braucht Menschen, die die Talente der Naturwissenschaftler schätzen, ihre Art zu denken kennen und ihnen auch verzeihen, wenn die Rhetorik oder auch die Sozialkompetenz nicht ganz so ausgeprägt ist.

Da es Forschung immer geben wird, wird es auch immer solche wie mich geben. Die, die aus guten Ansätzen etwas machen und so eine Art Geburtshelfer für neue Forschungsideen sind.

Dr. Beate Hafer ist Biologin. Seit 2007 ist sie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München tätig. Seit 2015 koordiniert sie das  Graduiertenkolleg „Molecular Principles of Synthetic Biology“ am Biozentrum der Uni. Wissenschaftler des Kollegs forschen an Projekten, die an den Schnittstellen von Biologie, Chemie und Physik angesiedelt sind, dazu gehört beispielsweise die Erforschung der molekularen Prinzipien von synthetischen Zellen.