Herr Biallowons, was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Die Frage hat zwei Aspekte. Ich bin Journalist und Unternehmer. 

Als Journalist liebe ich es, dass ich der Neugier frönen kann. Und dabei bin ich zu diesem Beruf eher zufällig gekommen. Ich habe BWL- und Pädagogik studiert. Wirtschaft hat mir zwar Spaß gemacht, aber ich wusste nach dem Studium nicht so recht, was ich machen sollte. Da bin ich auf eine Anzeige in der Tageszeitung Die Welt“ gestoßen. Sie haben Volontäre gesucht und eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten angeboten. Ich habe mich beworben und bin genommen worden. Das war ein Glücksgriff. Seitdem kann ich mein Faible für Wirtschaft mit meiner Neugierde kombinieren. Ich bin gerne Journalist und werde das hoffentlich noch lange sein.

Auch in das Unternehmertum bin ich zufällig reingerutscht. Ich hatte schon immer viele gute Ideen. Und die Umsetzung ließ sich irgendwann nicht mehr allein bewältigen. So habe ich Mitstreiter gesucht. Aus den Mitstreitern sind Mitarbeiter geworden.

Als Unternehmer schätze ich es, etwas aufzubauen, zu gestalten und etwas weiterzugeben. In der Firma beschäftigen wir uns mit Verbraucherthemen. Unser Anspruch ist es, Verbrauchern, die sich nicht so gut auskennen, weiterzuhelfen. Da geht es um Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Das ist mir wichtig und es führt dazu, dass ich mich immer nur auf Dinge einlasse, die ich verstehe. Bei Immobilien, Geldanlage und Finanzierung kenne ich mich zum Beispiel gut aus, bei Aktien und Börse eher wenig.

Welche Parallelen gibt es zu dem, was wir tun, der Persönlichkeitsentwicklung?

Um jemanden zu entwickeln muss man in erster Linie Vorbild sein. Mein Sohn, der mittlerweile auch in der Firma arbeitet, soll die Firma später einmal übernehmen und weiterführen. Für ihn war und bin ich Vorbild. Ich habe ihm das vorgelebt, was mir als Journalist und Unternehmer wichtig ist. Er hat sich viel abgeschaut und sich zu einer Schlüsselperson in unserer Firma entwickelt.

Was ich aber auch beobachte: Vorbild sein reicht nicht. Es gibt Menschen, die haben viel Talent und Vorbilder, bei denen sie sich etwas abschauen können. Aber es fehlt der Wille oder das Durchhaltevermögen aus diesem Talent wirklich etwas zu machen. Das ist schade.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Beim Spazierengehen mit dem Hund, weil der nix quatscht und mich nicht ablenkt. Auch beim Radeln oder Autofahren kann ich gute Ideen entwickeln.

Wie wird Ihr Beruf im Jahr 2050 aussehen?

Für den Journalismus sehe ich eher schwarz. Es gibt verschiedene Entwicklungen, die ich nicht gut finde. Zum einen wird die Arbeit noch mehr Internet- und Datenbank-basiert sein. Die persönliche Recherche vor Ort, das Gespräch mit Leuten, wird noch stärker zurückgehen. Zum anderen haben die Neugierde und die Leidenschaft bei den Journalisten nachgelassen. Darunter leidet die Qualität der Recherche und damit auch die Qualität der Beiträge. Aber die die ist auch heute schon schwer durchzusetzen. Sie wird zum einen nicht oder zu wenig bezahlt. Zum anderen werden Urheberrechte nicht respektiert, sondern es wird schamlos geklaut und abgeschrieben.

Es wird sicherlich im Journalismus auch in Zukunft Nischen, interessante Webseiten und gute Blätter geben, aber diese werden – so fürchte ich – weniger.

Im Gegensatz zum Journalismus bin ich davon überzeugt, dass der Mittelstand bzw. das Unternehmertum sich sehr gut entwickeln werden. Es gibt sehr viele Start-ups zu ganz unterschiedlichen Produkten und Leistungen. Daran sehen wir, dass viele Menschen gute Ideen haben und auch bereit sind, Risiken einzugehen und diese unternehmerisch zu entwickeln.

Horst Biallowons ist Journalist und Unternehmer aus Leidenschaft. Gemeinsam mit seinem 40-köpfigen Team betreibt er von Schondorf am Ammersee aus die Internetplattform biallo.de. Das Unternehmen informiert Verbraucher umfassend zum Thema Geldanlage, Finanzierung und Altersvorsorge.